„Tauchscher“ – Das Stadtfest von Taucha

„Tauchscher“ – Das Stadtfest von Taucha

Details zum Tauchschen 2018 folgen in Kürze!

Impressionen vom Tauchschen, dem Stadtfest von Taucha (2017)

Tag 1 Tauchscher 2017

 
 

Tag 2 Tauchscher 2017 (Teil 1)

 
 

Tag 2 Tauchscher 2017 (Teil 2)

 

Tag 3 Tauchscher 2017 - Festumzug (Teil 1)

 
 
 

Tag 3 Tauchscher 2017 - Festumzug (Teil 2)

Tag 3 Tauchscher 2017 - Festumzug (Teil 3)

Tag 3 Tauchscher 2017 - Festumzug (Teil 4)

 
 
 

Tag 3 Tauchscher 2017

 
 
 

Was ist der "Tauchsche" und woher stammt die Bezeichnung?

 

Die tauchsche Tradition hat ihre Wurzeln im Mittelalter

Ursprünglich hervorgegangen ist das Stadtfest um 1600 aus dem Tauchaer Pflaumenmarkt, der sich über viele Jahre hin zu einem beliebten Fest entwickelt hat. Zu seinen Besuchern zählten vor allem Leipziger Bürger. Überliefert ist, dass vor allem die Leipziger den Tauchschen als Gelegenheit nutzten, um das kleine Landstädtchen zu verspotten und zu verunglimpfen. Während sich das Stadtfest über die Jahre immer größer werdender Beliebtheit erfreute, wurde die Kluft zwischen Leipzigern und Tauchaern nie ganz überwunden, was Ende des 19. Jahrhunderts zu der fragwürdigen Tradition führte, sich zu verkleiden und Leipziger Bürgern auf dem Tauchschen aufzulauern und sie zu verprügeln. Über die Jahre hinweg haben sich daraus regelrechte Verabredungen zu Straßenkeilereien entwickelt, welche erst Ende der 60er Jahre langsam in Vergessenheit geraten sind.

Die Tradition, sich zu verkleiden, blieb aber noch viele Jahre erhalten und war fester Bestandteil des Festes geworden, bis der Tauchsche Anfang der 70er Jahre verboten wurde. Nach dem Fall der Mauer und einer 825-Jahr-Feier im Jahr 1995 beschloss die Stadtverwaltung, die Tradition des Tauchschen wieder aufleben zu lassen. In den folgenden Jahren wurde das Stadtfest neu belebt und erlangte seine ursprüngliche Beliebtheit wieder. Seitdem ist das Stadtfest nur einmal ausgefallen, als es bei der Jahrhundertflut im Jahr 2002 umliegende Dörfer und Gemeinden schwer getroffen hatte.

Einer mündlich überlieferten Legende nach liegen die Wurzeln des Tauchschen – mit dem Verkleiden und Keilereien – im 10 Jahre früheren Marktrecht für Leipzig um 1160 begründet. Zu der Zeit waren Taucha und Leipzig ungefähr gleich groß. Jedoch entwickelte sich Leipzig durch den Handel schnell. Die Tauchaer glaubten, als sie dann 1170 auch Marktrecht bekamen, die Entwicklung würde nun auch in Taucha einsetzen. Doch die Händler blieben in Taucha aus. Die Leipziger machten sich über die nicht erfüllten Hoffnungen der Tauchaer lustig. Sie fuhren, als Händler ferner Länder verkleidet, mit Fuhrwerken nach Taucha, um den Tauchaern den beginnenden Handel und den erhofften Aufschwung vorzutäuschen. Als die Tauchaer den Ulk und Spott erkannten, kam es zu den bereits oben genannten Prügeleien.

 

Quelle: Heimatverein Taucha e. V.

Wissenswertes über den "Tauchschen"

Beim Lesen der alten Jahrgänge des "Anzeigers für Taucha und Umgegend" stoße ich immer wieder auf Informationen zu unserem Heimatfest, die mir noch nicht oder nur ungenau bekannt waren. So wird am 07. September 1940 berichtet, dass für Tauchas Jahrmärkte früher allgemein der Grundsatz galt: "Bieten, was Geist und Herz erfreut, Leib und Seele stärkt, den Haushaltungen ein feines Ansehen gibt und nützlich ist."

Der Tauchaische Herbstjahrmarkt, aus dem sich ja der Name "Tauchscher" herleitet, war ja über Taucha hinaus auch unter den Namen Pflaumen- oder Zwiebelmarkt bekannt. Zum einen deckten sich Tauchas Hausfrauen mit Pflaumen ein, die die Bauern der umliegenden Dörfer zum Verkauf feilboten oder verkauften selbst welche. Natürlich wurde auch Pflaumenkuchen oder -mus verkauft und letzteres nicht erst nach dem Tauchschen hergestellt. Auf jeden Fall konnte man besonders nach dem Markt aus vielen Häusern einen lieblich-süßen Pflaumenmusduft riechen. Nur dort, wo die "Rudel" (sächs. Holzgerät zum Umrühren) nicht eifrig genug geschwungen wurde, roch es brenzlig. Auch die Töpfer zogen aus diesem Geschehen ihren Nutzen, denn das Mus wurde in irdenen Töpfen verstaut.

Die andere Namensvariante führt zu einer weiteren stark gefragten Marktware, den Zwiebeln: Aus der Bornaer Gegend („Zwiebelborne“) kamen Bauern und boten die bekannten und begehrten „Bornaischen Zwiebeln“ an, die in Taucha reißend Absatz fanden.

Auch Leinwandhändler brachten ihre Waren auf den Tauchaer Markt (noch 1853), die sie auf Eseln oder Schubkarren transportierten.

Bekannt war der Sandmann aus Engelsdorf, dessen schöner, weißer Sand auf die Dielen gestreut wurde. Nach 1905 zog durch Tauchas Straßen an seiner Stelle eine Sandverkäuferin.

Selbstverständlich erfreuten Belustigungen aller Art die Tauchaer und ihre Gäste. Hochbetrieb herrschte vor allem am Sonntag und Montag auf Tauchas vier großen Tanzsälen: Zum einen im „Goldenen Löwen“, im „Goldenen Ring“ und im „Deutschen Haus“, wo unter anderem die berühmte Tanzkapelle Petzold aufspielte.

Das „Schützenhaus“ nahm eine besondere Stellung ein. Unter den Klängen der vornehmen Stadtkapelle Renner verkehrten dort die sogenannten „besseren“ Leute. Im Gegensatz dazu ging es im „Deutschen Haus“ oft sehr wild zu. Hier trafen sich die „Herren der Landstraße“, die Burschen  hemdsärmlig, beide Geschlechter oft in Holzpantoffeln. Wenn dann noch Leipziger Studenten ihren Schabernack mit den Tauchaer Mädchen trieben oder treiben wollten, war es zur Saalschlacht nicht mehr weit. Mancher Einrichtungsgegenstand ging dabei in Trümmer oder zu Bruch, worüber wiederum die Handwerker nicht gerade böse waren. So kreisten denn allerlei Spottverse über die „Epischee“ (Bedeutung ungeklärt, evtl. hergeleitet und verknappt aus „die epische Gaststätte“, d.Verf.) wie man das „Deutsche Haus“ im Volksmund nannte.

Auch auf den anderen Sälen ging es hoch her. Besonders wo Kapellmeister Petzold aufspielte, war Jux: In den Tanzpausen überraschte er die Gäste mit selbstverfassten Schlagern, Tanzvorführungen, Schaustellungen und Einaktern. Einmal ließ er während eines Jahrmarktballes im vollbesetzten Saal des „Goldenen Löwen“ einen Zwergaffen los, der für eine unsagbare Verwirrung sorgte. Erst nach einer tollen Affenjagd trat wieder einige Ordnung ein. Derartige Späße waren um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Taucha sehr beliebt und wurden viel belacht. –

Ganz im Gegensatz zum Kriegsjahrmarkt 1918, wo nur ein einziges Karussell mit kläglichem Ton daran erinnerte, dass Jahrmarkt sei. Danach verändert der Jahrmarkt wieder sein Gesicht, insbesondere nach dem Umzug auf die „Schützenwiese“ (heute „Festwiese“), wo nur noch vereinzelt Pflaumen und Zwiebeln neben dem allgemeinen Jahrmarktsgeschehen angeboten wurde.

Den nächsten großen Einschnitt gibt es mit Ausbruch des 2. Weltkrieges. Aufgrund der angespannten politischen Lage macht Bürgermeister Uhlemann schon am 30. August 1939 amtlich bekannt, dass der „Tauchsche“ ausfällt, der Jahrmarktsbetrieb aber nicht.

Das trifft auch für die ersten Folgejahre zu. So findet 1940 in der Zeit vom 07. bis 09. September ein Herbstjahr- oder Krammarkt statt, allerdings unter dem besonderen Motto „Tag der Kameradschaft“.

1942 schließlich – der zunehmenden Kriegsdauer und den sie begleitenden Erschwernissen geschuldet – wird nicht mehr auf den Wegfall des „Tauchschen“ hingewiesen. Im Anzeiger für Taucha sind am 09. September lediglich zwei Annoncen zu lesen für Pankerts „Glücksbude“ und für die U-Boot-Bahn, die neben dem Schützenplatz aufgebaut sind. Am Wochenende 12./13.09. steht daneben noch das Kinder-Sport-Karussell von Vater Lincke. Die U-Boot-Bahn fährt nochmals täglich vom 17. bis 20. September. Das ist alles:  - auch bis nach Kriegsende.

 

Porzig
Heimatverein Taucha e. V.


Zur Deklination des Begriffs "Tauchscher"

Tipp: Es lässt sich leichter merken, wenn Sie hinter den deklinierten Begriff das Wort "Pflaumenmarkt" setzen, z.B. des Tauchschen Pflaumenmarktes. Viel Erfolg beim Üben!

Kasus Deklination
Nominativ der Tauchsche
Genitiv des Tauchschen
Dativ dem Tauchschen
Akkusativ den Tauchschen