Die Geschichte von Taucha

Erzbischof Wichmann
Heroisierende Darstellung des Tauchaer
Stadtgründers, des Magdeburger
Erzbischofs Wichmann (1152-92)
Holzintarsie von Bruno Eyermann im
Ratssaal des Rathauses Taucha

Die Historie der Stadt Taucha geht zurück in das Jahr 974. Die folgende Zeittafel dokumentiert die wichtigsten Stationen der Stadtgeschichte. Auf den weiteren Seiten finden Sie zudem chronologisch sortierte Information zur Entwicklung der Kommune in den unterschiedlichen Jahrhunderten.

Zeittafel der Stadt Taucha (Jahre 974 - 2000)

Jahr Ereignis
974 erste urkundliche Erwähnung (geschrieben 1012/ 18 in der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg) als „urbs Cothung" – im Besitz des Hochstifts Merseburg-, slawische Burganlage auf dem heutigen Schlossberg
981 Übergabe der Burgwardpfarrerei an die Erzdiözese Magdeburg
1004 Vergabe des unter Reichsbesitz stehenden Tauchaer Gebietes an das Erzstift zu Magdeburg durch Heinrich den II.
1015 Rückgabe der Pfarrei an das Bistum Merseburg
um 1170 Erteilung des Stadtrechtes unter dem Namen „Tuch" durch den Merseburger Erzbischof Wichmann von Seeburg (Erwähnung 1174 in der Stadtrechtsurkunde von Jüteborg)
1212 erste urkundliche Erwähnung von Döbitz/ Dewitz
1220/21 Bau der Stadtkirche St. Mauritius, eines festen Schlosses und der Stadtmauern unter Erzbischof Albert von Magdeburg
1266 Ersterwähnung von Merkwitz
1282 Belagerung der Stadt und Schleifung des Schlosses durch Dietrich von Landsberg, Markgraf zu Meißen
1348/51 großes Sterben durch die Pest
1349/50 Ersterwähnung von Cradefeld, Graßdorf, Seegeritz, Sehlis
1354/55 Übergang in die Lehnsherrschaft des Markgrafen zu Meißen nach Verzicht des Erzbischofs Otto
1378 Ersterwähnung von Plösitz
1430 wahrscheinliche Zerstörung Tauchas durch die Hussiten (Taboriten)
1485 Grenzschaft im Herzogtum Sachsen (Herzog Albrecht) zum Kurfürstentum Sachsen (Kurfürst Ernst) bei der im Vertrag von Leipzig beschlossenen Teilung der „Wettinischen Länder" (bis 1547)
1496 Ersterwähnung von Pönitz
um 1500 Gründung eines Klosters der Antonier, Bau des 1. Rathauses, des Spitals vor dem Eilenburger Tor und der Baderei
1525 Brand der St.-Wolfgangs-Kirche auf dem Schlossberg
1527 Auflösung des Klosters
1529 erste Erwähnung einer Knabenschule (Schulhaus an der Kirche)
1532 Gefangennahme des Stadthauptmanns Spiegel und des späteren Bürgermeister Fachß von Leipzig durch den Ritter Wilhelm v. Haugwitz d. Ä.
1533 Niederbrennen des Schlosses auf dem Weinberg durch W. v. Haugwitz selbst
1542 Wiederaufbau des Schlosses auf dem Weinberg W. v. Haugwitz d. J.
1547 Quartier des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen im Schloss während des Schmalkaldischen Krieges
1569 Kauf von Stadt und Schloss durch den Leipziger Rat
1594 Verlegung des Friedhofes vom Kirchplatz durch das Eilenburger Tor
1621 kurzfristige Einrichtung einer kursächsischen Münzstätte durch den Kürfürsten Johann Georg I. von Sachsen
1626 großes Sterben durch die Pest
1631-44 Zerstörung der Stadt durch mehrere Plünderungen und Brandschatzungen durch Truppen der katholischen Liga und der protestantischen Union im 30- jährigen Krieg, großes Peststerben (1631-33)
1680 letztes großes Sterben durch die Pest
1682 großer Stadtbrand: 98 Häuser sowie Rathaus und Pfarrhaus zerstört
1686 Vernichtung von Dewitz durch Feuersbrunst
1690 Wiederaufbau des Rathauses am Markt
1706 kurzzeitiges Hauptquartier des Königs Karl XII. von Schweden im Schloß Taucha während des Nordischen Krieges
1725 letzte Hinrichtung in Taucha auf dem Marktplatz (Exekution einer Kindermörderin)
1763 Plünderung der Stadt durch preußische Truppen im 7- jährigen Krieg
1764 Großbrand in Graßdorf
1768 großer Stadtbrand: u. a. Kirche und Rathaus vernichtet
1774 Weihe der wiederaufgebauten Kirche
1806/07 -1812 Einquartierung der Truppen der napoleonischen Armee (französische, bayrische, portugiesische)
1813 Durchzug der Reste der in Rußland geschlagenen Armee Napoleons; später wechselnde Einquartierungen, Feldlager, Durchzüge, Einrichtung von Lazaretten sowie kleinere Gefechte verschiedener Truppen der Kriegsparteien der Befreiungskriege, Aufmarschgebiete der Völkerschlacht; Begräbnisse des russischen Generalleutnans v. Manteuffel, des Capitains der englischen Raketenbaterie Bogue, des Kornetts von Kleist und weiterer Soldaten auf dem Friedhof Taucha
1815 durch Teilung Sachsens auf dem Wiener Kongreß erneut Grenzstadt zu Preußen
nach 1815 Entwicklung des Tauchaer Herbst – oder Pflaumenmarktes zum „Tauchschen" (Volksfest) durch alljährlichen Besuch von Leipziger – und Vorort-Einwohnern
1819/20 Abbruch des Schlossturmes, der Stadtmauern und –tore
1823 erstes Königliches Postamt im Gasthaus „Zum Goldenen Löwen"
1826/28 Neuanlage der Straße von Leipzig über Taucha nach Eilenburg
1832 Wiedererlangung der Selbstständigkeit nach Erlaß der „Allgemeinen Städteordnung"
1840 Wahl des ersten Stadtrates, Neubau des Schulhauses an der Kirche (Flügelanbauten 1875 u. 1889 – als Rathaus)
1842 Gründung des Tauchaer Wochenblattes durch Karl Große
1848 Bildung einer Kommunalgarde
1849 Beteiligung von Taucher Einwohnern am Mai-Aufstand in Dresden (deshalb 1849-51 Auflösungen/ Verbote von Vereinen und der Kommunalgarde)
1850 Einrichtung einer städtischen Krankenanstalt
1851 Eröffnung der städtischen Sparkasse
1856 Eröffnung des Königlichen Amtsgerichts nach dem Bau des Gebäudes am Markt (1851), Mitnutzung durch Ratsstuben bis 1879
1861 Errichtung der ersten Omnibuslinie Taucha-Leipzig
1871 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
1872 Bau der ersten Turnhalle durch den 1861 neugegründeten Turnverein am Schützenhaus (Neubau 1891)
1873 Unterstellung unter die neugebildete Amthauptmannschaft Leipzig (zuvor Borna)
1874 Eröffnung der Eisenbahnlinie Leipzig - Taucha - Eilenburg
1879 Ratsräume im Schulhaus am Kirchplatz
1880 Eröffnung der ersten öffentlichen Bibliothek durch den Bürgerverein (1888 Übergabe als Bücherei der Tauchaer Freimaurer an die Stadt)
1881 Errichtung der ersten öffentlichen Badeanstalt an der Parthe
1884 Gründung der gemeinsamen Ortskrankenkasse Taucha und Umgebung
1888 Bau des ersten Industriebetriebes, der Chemischen Fabrik Taucha GmbH
1891 Eröffnung des Krankenhauses am Stadtpark
1895 Kauf des Cradefelder Mühlengutes mit Grundbesitz (Eingemeindung 1931)
1898 Errichtung des Elektrizitätwerkes, Weihe des König-Albert-Parks (heute Stadtpark)
1900 Beginn des Baus der ersten Wohnanlage des Leipziger Spar- und Bauvereins, Einmietung des Rathauses ins Gebäude Kirchstr. 1 (Seidemannhaus)
1902 Beginn der Beschleusungsarbeiten und Bau der 1. Kläranlage für die Altstadt an der Cradefelder Mühle
1903 Eröffnung des städtischen Wasserwerkes (Erweiterung 1914)
1905 Einweihung der Bürgerschule (heute Geschwister - Scholl - Gymnasium), Anbau des Südflügels 1914
1909 Gründung der Stadtgirokasse (ab 1926 Stadtbank), Eröffnung des 1. Kinos „Weiße Wand" (am Markt)
1910 Erhalt der Rechte einer unteren Verwaltungsbehörde nach Einführung der „Revidierten Städteordnung"
1911 Eröffnung der 1. Kinderbewahranstalt (am Kirchplatz) nach Scheitern früherer Versuche
1912 Große Verwüstungen in Sehlis durch Windhose
1913 Einweihung des neuen Amtsgerichtes in der Schloßstraße, Umzug des Rathauses in das ehemalige Amtsgericht am Markt, Einweihung des Aussichtsturmes
1918/19 Einführung der Gasversorgung
1920/22 Vereinigung der selbstständigen Rittergutsbezirke mit der Stadt Taucha (1920) bzw. mit den Gemeinden Graßdorf/ Cradefeld (1921), Döbitz und Seegeritz(1922)
1924/25 Umgestaltung des Stadtbades
1925 Beginn des Wohnungsbaus in der „Gutenbergsiedlung"
1926 Gründung des Heimatmuseums
1927 Eröffnung der Straßenbahnlinie Leipzig-Taucha, Abschluss der Begradigung der Parthe von Dewitz bis Taucha
1928 Erste Segelflugversuche am Schwarzen Berg
1929 Vereinigung von Döbitz mit Dewitz
1929/30 Anlegen der beiden Schöppenteiche
1930 Einweihung des Neubaus für Stadtsparkasse und –bank
1931 Wohnungsbau in der Lindnerstraße und im Heinrich-Heine-Hof
1932 Eröffnung des neuen Postgebäudes /Ecke Post-/ Lindnerstr.)
1933-39 Bau der Autobahn Leipzig-Halle
1934 Eingemeindung von Cradefeld und Graßdorf; Umzug des Rathauses in das Amtsgericht nach dessen Verlegung nach Leipzig, Einweihung des Kriekauer Sportplatzes, Begradigung der Parthe von Taucha bis Thekla
1935 Bau der Mitteldeutschen Motorenwerke durch die Auto-Union in Zwickau
1936 Beginn der Großbebauung zwischen Leipziger und Klebendorfer Straße
1937 Eingemeindung von Dewitz/ Döbitz und Plösitz
1939 Eröffnung der Mittelschule Taucha (Einweihung 1940), Zuordnung des MMW-Gebietes auf Leipzig - Portitzer Flur zu Taucha
1940 erster Luftangriff auf Taucha, Unterbringung der ersten Kriegsgefangenen, erste Einquartierungen von Soldaten
1941 Einrichtung von Lagern für ausländische Zwangsarbeiter (MMW, HASAG)
1942 Abschluss des Baus der Zentralkläranlage im Seegeritzer Winkel
1943 Unterbringung der ersten Flüchtlinge und Bombengeschädigten, insbesondere aus dem Rheinland, Hamburg und Leipzig
1944 Einrichtung eines Außenlagers des KZ Buchenwald auf dem HASAG-Gelände (Freiherr-vom-Stein-Str./ heute M.-Erzberger-Str.)
1945 Abtransport der meisten KZ-Häftlinge (16.04.), Besetzung des Rathauses durch die amerikanische Armee (19.04.), Hauptort der Zone 4 (10.05.), Beginn der Abtransporte der ausländischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen (10.05.), Übernahme der Stadt durch die Rote Armee (05.07.), Enteignung von Rittergut und Brennerreigut in Dewitz/ Döbitz (06.10.)
1946 Demontage von Industriebetrieben und des 2. Gleises der Bahnstrecke Leipzig-Eilenburg, Einrichtung des ehemaligen KZ-Außenlagers als Quarantenelager für ehemalige Kriegsgefangene, zeitweise auch für Aussiedler, Gründung des Konsum – und der Landwirtschaftsgenossenschaft, Aufteilung des Rittergutes Taucha, Wiedereröffnung des Stadtbades, Wiederbelebung des „Tauchschen"
1947 Aufhebung der sowjetischen Ortskommandatur, Eröffnung des Kindergartens
1949 nach Gründung der DDR (07.10.), Entstehung neuer Betriebe (durch Enteignung oder Neuaufbau): u.a. VEB BBG, Beka-Werk, VEB-Wegra, VEB-Favorit, VEB Baustoffkombinat, Eröffnung von Kindergärten in der Dewitzer Straße und in Seegeritz
1954 Eröffnung des Kindergarten in Pönitz (1959 Neubau)
1955 Eröffnung einer Kinderkrippe in der Leipziger Str. 104 und eines Kindergarten in Pönitz
1964 Eröffnung einer Kinderkrippe in der Dewitzer Str. 89 sowie eines Kindergartens im Auenweg 1
1965 Einweihung des Ehrenmals für die Opfer für die Opfer des Faschismus am kleinen Schöppenteich
1965/69 Bau der Umgehungsstraße (B87) von der Poliklinik bis zum Betriebsteil des Baustoffkombinats am Döbitzer Steinbruch (heute UWE)
1968 Gründung der VE KIM (Kombinat für Industrielle Mast)
1969 Fertigstellung der ersten neuen Wohnblöcke in der Dewitzer Straße durch VE KIM, Eröffnung eines Kindergartens in der Graßdorferstraße 27 a
1970 Letzter „Tauchscher" (zur 800-Jahr-Feier) während der DDR Zeiten
1972 Eröffnung von Betriebskindergarten und –krippe des VE KIM (Am Dingstuhl 3)
1973 Eingemeindung von Sehlis, Angliederung von Seegeritz an Merkwitz
1976-88 etappenweise Fortführung des Wohnungsbaus durch VE KIM und Baustoffkombinat (Th.-Mann-Str., Kurze Str. und An der Mühle)
1977 Umbau der Gebäude Eilenburger Straße 10/ Dewitzer Str. 1 zum Bezirkstrainingszentrum für Ringen (jetzt Sport- und Trainingszentrum)
1978 Eröffnung einer Kinderkrippe in der Schwindstr.
1986 Eröffnung eines Kindergartens in der K.-Große-Str. 6
1990 1. Demokratische Wahlen nach der Wende (Mai) – Kommunalwahl: SPD stärkste Partei, 1. Ausgabe des Stadtanzeigers, Kontaktaufnahme zu Hilden zur Unterstützung der kommunal politischen Aufgaben (August), nach Wiederherstellung der deutschen Einheit: Ende der „sozialistischen Entwicklung" (Oktober), Beginn der (Re) Privatisierung der Betriebe, Eröffnung des 1. Supermarktes (MASSA mobil)
1991 Übernahme der KIM Kindereinrichtung am Dingstuhl (Juni) Grundsteinlegung für die NOWEDA als erste große Ansiedlung eines neuen Betriebes (September), Eingemeindung von Pönitz, Inbetriebnahme der BP-Großtankstelle (Dezember)
1992 Gründung der Grundbesitz- und Verwertungsgesellschaft Taucha mbH (GBV) als 1. Städtische Tochtergesellschaft (Januar), Fertigstellung des neuen Ärztehauses in der E.-M.-Arndt-Str. (Westflügel/ Februar) und Eröffnung einer neuen Kindertagesstätte (Ostflügel/ Juni), Eingemeindung von Merkwitz und Seegeritz (Juli), Beginn des privaten Wohnungsbaus durch Bauträger – Grundsteinlegung in der 1. Wohnanlage in „Bogumils (richtig: „Witzels") Garten" (August), Übergabe des 1. Teilbaus Alten- und Pflegeheims (Landkreis) „Parkblick" (September), Gründung der Immobilien- und Verwaltungsgesellschaft mbH Taucha (IBV) als 2. städtische Tochtergesellschaft (September), Städtepartnerschaften mit den französischen Städten Chadrac und Espaly (Oktober)
1993 Wiedereröffnung des teilrekonstruierten Tauchaer Stadtbades (Mai), offizielle Einweihung des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (nach Abschluß der Baumaßnahmen im Innen- und Außenbereich – September/ Eröffnung – August 92), Anerkennungspreis (für die Stadt) „für vorbildliche Aktivitäten bei der Mobilisierung und Erschließung von Bauland" in Sachsen
1994 Einweihung des neuen Gebäudes für Grundschule II und Hort II in der R.-Breitscheid-Str. (August), Einrichtung eines Polizeireviers, 1. Spatenstich im städt. Gewerbegebiet an der Autobahn (September)
1995 Wiedereröffnung von Erwachsenen- und Kinderbibliothek nach Umzug in das Gebäude am Kirchplatz bzw. in das Museum (Januar), Übergabe des 2. Teilbaus des Pflegeheims „Parkblick" (März), Eröffnung des rekonstruierten Museums (Mai), Beginn der Altstadtsanierung, Stilllegung des Tauchaer Wasserwerkes (August), Wiedereröffnung des Aussichtsturmes (September) und der rekonstruierten Sparkasse, Abschluß des Neubaus der 1. Parthenbrücke Leipziger Str. 1 (November)
1996 Einweihung der Mehrzweckhalle (April), Bestätigung des Flächennutzungsplanes durch das RP Leipzig (Mai), erstmalige Feier des „Tauchschen" nach längerer Pause (September), Abschluß von Rekonstruktion und räumlicher Erweiterung der Kita Dewitzer Str. (Dezember)
1997 Einweihung des Jugendclub „An der Parthe" (März), Ernennung von Taucha zur „Ökologischen Modellstadt Sachsens" und Eröffnung des gleinahmigen Projektes, Inbetriebnahme der neuen Netzleitstelle der – heute envia – WESAG (April), Einweihung der neuen Feuerwache an der Sommerfelder Str. (Mai), Fertigstellung der neuen Parthenbrücke zum Auenweg (November), Einweihung des neuen Gebäudes für Grundschule I und Hort I auf dem ehemaligen Stadthallengelände „An der Parthe" (Dezember)
1998 Fertigstellung der um- und ausgebauten Kindertagsstätte an der Graßdorfer Str. mit der 1. Solaranlage im kommunalen Bereich, Abschließung des Stadt-Umland-Vertrags mit Leipzig, insbes. zur Erweiterung des Einrichtungshauses Möbel Walther (Juni)
1999 Eingliederung von Taucha in den Landkreis Delitzsch (Januar), Eröffnung von Haus II des Gymnasiums am Kirchplatz (Februar), Neueinweihung des restaurierten Parthebrunnens am R.-Winkelmann-Platz (August), Fertigstellung der neuen Parthenbrücke Kirchstr. (September) und Dorfstr. (Dezember)
2000 Aufnahme des Dienstbetriebs Hauptzollamts Leipzig/ Zollamt Taucha in Taucha (Januar), Neueröffnung des neugestalteten Sport- und Freizeitzentrums in der Kriekauer Str. (September)

Herausgeber: Stadt Taucha
Text: Detlef Porzig unter Mitwirkung von Helmut Köhler, Sigrid Lenk, Barbara Stein und Elke Böttcher
2. überarbeitete Auflage, Taucha, März 2000

Zeittafel der Stadt Taucha (Jahre 2000 bis heute)

Jahr Ereignis
2002

Abschluss der Komplexsanierung und -rekonstruktion der Sportanlagen der Mittelschule Taucha mit der Einweihung des neugestalteten Sportplatzes

Abschluss der Wiederherstellung des Hochwasserumfluters der Parthe und der -schutzmaßnahme "Neubau der Ufermauer"

Übergabe der ausgebauten Kreuzung B87/ Otto-Schmidt-Straße

2003

Inbetriebnahme der 1.1 kW Brennstoffzelle zur Hausenergieversorgung (für ein Mehrfamilienhaus in der Zwick'schen Siedlung)

Abschluss der Umsetzung des MEDIOS-Programms in den Tauchaer Schulen

Neubau der Brücke in der Glockentiefe

Beginn der Arbeiten auf der Industriebrache "Westvorstadt Taucha" mit Abbruch von Gebäuden des ehemaligen WEB BBG (EU-Fördermittel)

Ausbau der Kreuzung B87/ Pönitzer Weg

Hochwasserschadensbeseitigung am Cradefelder Graben

2004

Fortführung der Arbeiten auf der Industriebrache mit Abbruch der Gebäude der ehemaligen Afro-Werke und des Polytechnischen Zentrums

Taucha ist Sieger im landeswettbewerb "Ab in die Mitte"
Abschluss der Straßenbau- und Teichsanierungsmaßnahmen in Merkwitz

Neubau der Brücke am Böttgerweg

Renaturierung der Deponie am "Schwarzen Berg"

Zusammenführung von Erwachsenen- und Kinderbibliothek im Museumsgebäude

Abschluss der Baumaßnahmen im Außenbereich der St.-Moritz-Kirche mit Sanierung der Freitreppe

2005-2013 Dieser Zeitraum wird momentan mit Daten aufbereitet und steht in Kürze für Sie zur Verfügung.
2014 Im neu ausgebauten Dachgeschoss der Tauchaer Oberschule, nach 16 Monaten Um- und Ausbauzeit, befinden sich nun modern ausgestattete Klassen- und Gruppenzimmer für Unterricht und Ganztagsangebote.
2015

Sperrung der B87 - Kreuzung Leipziger Str./ Graßdorfer Str. für ca. ein halbes Jahr aufgrund Umbaumaßnahmen von KWL in der Graßdorfer Straße

Neuwahl des Bürgermeisters nach 25-jähriger Amtszeit von Dr. Holger Schirmbeck

Amtsantritt des neuen Bürgermeisters Tobias Meier zum 1.8.2015

Neubau der Kita "Grashüpfer" in der Friedrich-Ebert-Straße

Zum "Tauchschen"

Beim Lesen der alten Jahrgänge des "Anzeigers für Taucha und Umgegend" stoße ich immer wieder auf Informationen zu unserem Heimatfest, die mir noch nicht oder nur ungenau bekannt waren. So wird am 07. September 1940 berichtet, dass für Tauchas Jahrmärkte früher allgemein der Grundsatz galt: "Bieten, was Geist und Herz erfreut, Leib und Seele stärkt, den Haushaltungen ein feines Ansehen gibt und nützlich ist."

Der Tauchaische Herbstjahrmarkt, aus dem sich ja der Name "Tauchscher" herleitet, war ja über Taucha hinaus auch unter den Namen Pflaumen- oder Zwiebelmarkt bekannt. Zum einen deckten sich Tauchas Hausfrauen mit Pflaumen ein, die die Bauern der umliegenden Dörfer zum Verkauf feilboten oder verkauften selbst welche. Natürlich wurde auch Pflaumenkuchen oder -mus verkauft und letzteres nicht erst nach dem Tauchschen hergestellt. Auf jeden Fall konnte man besonders nach dem Markt aus vielen Häusern einen lieblich-süßen Pflaumenmusduft riechen. Nur dort, wo die "Rudel" (sächs. Holzgerät zum Umrühren) nicht eifrig genug geschwungen wurde, roch es brenzlig. Auch die Töpfer zogen aus diesem Geschehen ihren Nutzen, denn das Mus wurde in irdenen Töpfen verstaut.

Die andere Namensvariante führt zu einer weiteren stark gefragten Marktware, den Zwiebeln: Aus der Bornaer Gegend („Zwiebelborne“) kamen Bauern und boten die bekannten und begehrten „Bornaischen Zwiebeln“ an, die in Taucha reißend Absatz fanden.

Auch Leinwandhändler brachten ihre Waren auf den Tauchaer Markt (noch 1853), die sie auf Eseln oder Schubkarren transportierten.

Bekannt war der Sandmann aus Engelsdorf, dessen schöner, weißer Sand auf die Dielen gestreut wurde. Nach 1905 zog durch Tauchas Straßen an seiner Stelle eine Sandverkäuferin.

Selbstverständlich erfreuten Belustigungen aller Art die Tauchaer und ihre Gäste. Hochbetrieb herrschte vor allem am Sonntag und Montag auf Tauchas vier großen Tanzsälen: Zum einen im „Goldenen Löwen“, im „Goldenen Ring“ und im „Deutschen Haus“, wo unter anderem die berühmte Tanzkapelle Petzold aufspielte.

Das „Schützenhaus“ nahm eine besondere Stellung ein. Unter den Klängen der vornehmen Stadtkapelle Renner verkehrten dort die sogenannten „besseren“ Leute. Im Gegensatz dazu ging es im „Deutschen Haus“ oft sehr wild zu. Hier trafen sich die „Herren der Landstraße“, die Burschen  hemdsärmlig, beide Geschlechter oft in Holzpantoffeln. Wenn dann noch Leipziger Studenten ihren Schabernack mit den Tauchaer Mädchen trieben oder treiben wollten, war es zur Saalschlacht nicht mehr weit. Mancher Einrichtungsgegenstand ging dabei in Trümmer oder zu Bruch, worüber wiederum die Handwerker nicht gerade böse waren. So kreisten denn allerlei Spottverse über die „Epischee“ (Bedeutung ungeklärt, evtl. hergeleitet und verknappt aus „die epische Gaststätte“, d.Verf.) wie man das „Deutsche Haus“ im Volksmund nannte.

Auch auf den anderen Sälen ging es hoch her. Besonders wo Kapellmeister Petzold aufspielte, war Jux: In den Tanzpausen überraschte er die Gäste mit selbstverfassten Schlagern, Tanzvorführungen, Schaustellungen und Einaktern. Einmal ließ er während eines Jahrmarktballes im vollbesetzten Saal des „Goldenen Löwen“ einen Zwergaffen los, der für eine unsagbare Verwirrung sorgte. Erst nach einer tollen Affenjagd trat wieder einige Ordnung ein. Derartige Späße waren um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Taucha sehr beliebt und wurden viel belacht. –

Ganz im Gegensatz zum Kriegsjahrmarkt 1918, wo nur ein einziges Karussell mit kläglichem Ton daran erinnerte, dass Jahrmarkt sei. Danach verändert der Jahrmarkt wieder sein Gesicht, insbesondere nach dem Umzug auf die „Schützenwiese“ (heute „Festwiese“), wo nur noch vereinzelt Pflaumen und Zwiebeln neben dem allgemeinen Jahrmarktsgeschehen angeboten wurde.

Den nächsten großen Einschnitt gibt es mit Ausbruch des 2. Weltkrieges. Aufgrund der angespannten politischen Lage macht Bürgermeister Uhlemann schon am 30. August 1939 amtlich bekannt, dass der „Tauchsche“ ausfällt, der Jahrmarktsbetrieb aber nicht.

Das trifft auch für die ersten Folgejahre zu. So findet 1940 in der Zeit vom 07. bis 09. September ein Herbstjahr- oder Krammarkt statt, allerdings unter dem besonderen Motto „Tag der Kameradschaft“.

1942 schließlich – der zunehmenden Kriegsdauer und den sie begleitenden Erschwernissen geschuldet – wird nicht mehr auf den Wegfall des „Tauchschen“ hingewiesen. Im Anzeiger für Taucha sind am 09. September lediglich zwei Annoncen zu lesen für Pankerts „Glücksbude“ und für die U-Boot-Bahn, die neben dem Schützenplatz aufgebaut sind. Am Wochenende 12./13.09. steht daneben noch das Kinder-Sport-Karussell von Vater Lincke. Die U-Boot-Bahn fährt nochmals täglich vom 17. bis 20. September. Das ist alles:  - auch bis nach Kriegsende.

 

Porzig

Heimatverein Taucha e. V.